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Wir können nicht über Geld reden. Aber singen!

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

Beim Schreiben meines neuen Buches Endlich gut mit Geld, das am 19. März erscheint, bin ich immer wieder über dasselbe Thema gestolpert. Es ist der Dreh- und Angelpunkt für unsere Probleme, ein rationales, entspanntes und gutes Verhältnis zu Geld zu bekommen: Wir können nicht wirklich gut miteinander über Geld reden. Sie nicht und – nicht weitersagen – ich letztlich auch nicht. Wie sollen wir so klären, warum Geld in unserem Leben wichtig ist?

Ist es da nicht faszinierend, dass es uns dagegen ziemlich gut gelingt, über Geld zu singen? Und weil das so ist, stelle ich Ihnen die Playlist zu meinem neuen Buch vor: 49 Songs aus acht Jahrzehnten und sechs Ländern, die vieles, was wir so schwer miteinander besprechen können, auf den Punkt bringen.

Die Playlist der Neunundvierzig Honorarberatung

Von bitterer Armut, über Ängste vor sozialem Abschied, bis zum nackten Materialismus: Was Candlebox‘ Lied He Calls Home über einen Obdachlosen, Donna Summers She works hard for the money und Songs wie Shania Twains Ka-Ching und Madonnas Material Girl vereint, ist die omnipräsente Macht des Geldes: der Druck und die Wut, die es im Alltag auslöst, wenn es fehlt; der verzehrende Wunsch, so viel davon zu haben, wie es geht; die Bereitschaft, sich notfalls dafür zu verkaufen. Denn in den Worten des Wu-Tang-Clans:

„Cash Rules Everything Around Me. C.R.E.A.M., get the money
Dollar, dollar bill, y‘all.“

Bei Madonna, Shania Twain und Marilyn Monroe (Diamonds are a girl’s best friend): Immer wieder taucht Geld in Liedern als Projektionsfläche auf, mal mehr und meist weniger reflektiert: als „gelobtes Land“ unbegrenzter Möglichkeiten:

„Baby bitte mach dir nie wieder Sorgen um Geld,
gibt mir nur deine Hand, ich kauf dir morgen die Welt.“
(Cro, Einmal um die Welt)

Schön auch, dass es in den unverholen materialistischen Songs weniger ums Haben als ums Wieder-Ausgeben und Verschleudern geht. Nicht immer klug, aber lustig:

„Falls ich ma‘ kein Geld mehr hab‘, was ich mir gut vorstell‘n kann
Fang‘ ich an beim Ordnungsamt, hinder‘ euch am Porsche fahr‘n
Mein Portemonnaie lässt die Korken knall‘n
Los, mach es leer und schmeiß es in den Dreck!
Das Geld muss weg!
Das ganze Geld muss weg!“
(Marteria, Das Geld muss weg)

Zwischen Materialismus und Zweifel

Noch schöner: Selbst durch den oft platten Materialismus scheinen Ironie und Zweifel hindurch. Die Texte tragen immer auch ein (un)freiwilliges Dementi ihrer selbst in sich, wie hier in Lana del Reys Old Money:

„Blue hydrangea, cold cash divine
Cashmere, cologne, and hot sunshine
Red racing cars, Sunset and Vine
And we were young and pretty.
Where have you been, where did you go?“

Geld als „gelobtes Land“ ist in mehrfacher Hinsicht brüchig. Schon in den frühen Achtzigerjahren thematisierten unendlich traurige Songs wie Bruce Springsteens The River oder Billy Joels Allentown das Zerbrechen des American Dream.

„Well, we‘re waiting here in Allentown
For the Pennsylvania we never found
For the promises our teachers gave
If we worked hard, if we behaved
So the graduations hang on the wall
But they never really helped us at all…“

„Jeder kann es durch harte Arbeit und Glaube an sich selbst zu einem Stück Wohlstand und Glück bringen.“ Nein. Noch nie und nicht mehr.

Macht Geld wirklich glücklich?

Doch am Ende erweist sich das vermeintlich „gelobte Land“ des Wohlstands, selbst wenn wir es erreichen, mal als Fata Morgana, mal als Alptraum. Da ist einmal die Tatsache, dass vermögende Menschen in Bezug auf Geld oft gestresster sind als die, die gerade so klarkommen: „It‘s like the more money we come across. The more problems we see: Mo‘ money mo‘ problems.“ (The Notorious B.I.G.) Falsche Freunde, Ängste, das Geld wieder zu verlieren, Gier nach mehr, jede Menge Komplexität und die Frage, ob man noch derselbe Mensch ist wie davor.

Das Problem, dass soziales Vergleichen unglücklich macht und dass viele Menschen sich beim Erreichen ihrer (finanziellen) Ziele hohl fühlen und das Ziel deshalb immer weiter nach oben verschieben, hat niemand so lyrisch auf den Punkt gebracht wie Majan und $oho Bani in Goldman Sachs:

„Goldman Sachs, sag, wie viel muss ich noch investieren
Bis das Chaos in meinem Kopf dann bisschen stiller wird (...)
Und jede Schönheit zerbricht, wenn man sie vergleicht,
Und jedes Ziel gibt einem nichts, wenn man es erreicht,
Und jeder hier will zum Licht, doch niemand hier scheint
Goldman Sachs – doch niemand wird reich.“

Wo Geld zur quantifizierbaren Chiffre für Leistung, ja für den Wert eines Menschen wird, gibt es nie einen Punkt, wo es genug ist und nie einen Punkt, wo man bei sich ist. Denn so schön Geld – und möglichst viel davon – auch ist: Am Ende kann es immer nur ein Hilfsmittel sein. Das Zentrum eines gelungenen Lebens liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit woanders: In gelungenen sozialen Beziehungen, Selbstwirksamkeit und Sinnsuche, ja auch Spiritualität. Lassen Sie uns daher genau hinsehen, wo Geld hier helfen kann und wo nicht. In den Worten von Jon Batiste in Big Money:

„You can buy a house, but you can‘t buy a home
You can be surrounded and still be alone
Oh, Lord You can be living the life
But not living the dream it seems.”

Speichern Sie unsere Playlist, hören Sie rein und lassen Sie dabei gerne Ihre Gedanken schweifen. Vielleicht kommen Sie so der Frage, warum Geld wichtig in Ihrem Leben ist (und warum nicht), ein Stück weiter. Und vielleicht hilft es Ihnen, auch in Zukunft besser über Geld zu sprechen.

Ich freue mich auf Ihr Feedback an gutmitgeld@neunundvierzig.com. Welche Lieder gehören Ihrer Meinung nach in eine erweiterte Version der Playlist?

Alles Liebe
Nikolaus Braun

P.S.: Für alle, die Endlich gut mit Geld vor dem Erscheinungstermin am 19. März vorbestellen, veranstalte ich am Sonntag, 12.04., sowie am Montag, 13.04., jeweils um 18.30 Uhr ein exklusives Webinar mit Einblicken in die Entstehung des Buches, einer Lesung aus den mir wichtigsten Kapiteln, einer kleinen Game-Show und viel Zeit für Fragen zu den Inhalten des Buches.

Drei weitere Beiträge zu den existenziellen Fragen um Geld:

14/02/2026

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