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Durchbruch bei der staatlich geförderten Altersvorsorge: Das Altersvorsorgedepot

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

So schnell kann es gehen: Da hatten wir schon einen fertigen Gastbeitrag des von uns geschätzten Finanzökonomen und Verbraucherschützers Prof. Hartmut Walz in der Pipeline, um gegen die Märchen der Finanzlobby und den absurd hohen Kostendeckel von 1,5 % beim staatlich geförderten Altersvorsorgedepot Stellung zu beziehen – und dann das!

Es gibt einen fundamentalen Durchbruch in der Organisation der staatlich geförderten Altersvorsorge! Die schwarz-rote Regierungsmehrheit hat sich tatsächlich auf den letzten Metern entschieden, nicht (primär) die Finanzindustrie zu fördern, sondern ihrer Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden. Das ist nach dem Desaster von Riester- und Rürup-Rente erst mal großartig. Ein weitgehender Sieg von Einsicht, Sachverstand und der Aufklärungsarbeit sowie dem Campaigning von Verbraucherschützern und Zivilgesellschaft.

Staatliche Förderung für die Altersvorsorge

Der eigentliche Gamechanger ist, dass der Staat selbst Verantwortung übernimmt und den bisher meist dysfunktionalen Angeboten der Privatwirtschaft Konkurrenz macht. Denn: Es gibt ein von einem staatlichen Träger organisiertes Standarddepot. Sind wir mal optimistisch, dass die Verantwortlichen in der Lage sind, sich von renommierten Finanzwissenschaftlern und nicht von den Geschichtenerzählern der Fondsindustrie beraten zu lassen. Dann hätten wir endlich eine kostengünstige langfristige Teilhabe der Bevölkerung an den Produktivkräften des Kapitalmarkts. Seien Sie sicher: Wir werden das weiterverfolgen und Sie entsprechend informieren.

Neben der gelungenen Grundkonstruktion gibt es eine sowohl transparente als auch leicht nachvollziehbare staatliche Förderung: 50 % Zulage auf Ihre Sparleistung bis 360 € jährlich. Für darüberhinausgehende Beträge erhalten Sie 25 % Förderung – bis zu einer maximalen Sparsumme von 1.800 €. Für Kinder gibt es eine zusätzliche Förderung von bis zu 300 € mit 100 % Zuschuss. Ein weiterer Pluspunkt: Das Angebot gilt auch für Selbstständige.

Eine gute Reform mit Schönheitsfehlern

Demgegenüber sind die Schönheitsfehler des Gesetzes einigermaßen verschmerzbar, zumal sie sich in Zukunft relativ leicht korrigieren lassen. Am gravierendsten ist, dass nicht jeder Bürger automatisch in der staatlichen Variante landet, solange er sich nicht aktiv für eine andere (schlechtere) Lösung entscheidet. Das bedeutet, dass sich jeder Mensch selbst um seinen Vertrag kümmern muss und so vermutlich doch noch viele Bürgerinnen und Bürger dem üblichen Finanzprodukteverkauf zum Opfer fallen. Auch steht zu befürchten, dass die deutsche Freude an der Administration zu jeder Menge unnötigem Aufwand führt.

Unschön ist ebenfalls die Entscheidung, weiterhin Produkte mit einer garantierten Ablaufleistung von 100 % oder 80 % zu fördern. Die Sicherheitskomponente in der Altersvorsorge muss aus der staatlich organisierten BfA-Rente kommen. Es ergibt keinen Sinn, die Komponente, die zu attraktiven Renditen beitragen soll und wird, mit angezogener Handbremse anzubieten! Das öffnet nur dem Verkauf kontraproduktiver und zu teurer Finanzprodukte Tür und Tor: Erst ordentlich Angst zu machen und dann Sicherheit zu verkaufen, wird wohl auch in Zukunft ein lohnendes Geschäftsmodell sein. Weiteres Campaigning und Aufklärungsarbeit bleiben daher trotz allem dringend erforderlich.

Ein Erfolg von Verbraucherschutz und Zivilgesellschaft gegen Finanzlobby

Dass mit der Absenkung des absurd hohen Kostendeckels von 1,5 % auf 1,0 % nur ein Teilerfolg erzielt wurde, ist dagegen zweitrangig. Solange die staatliche Konkurrenz – wie heute schon in Schweden – unter 0,05 % an jährlichen Kosten verursacht, werden die Versicherungstandler und Pinocchiobanker auch so hoffentlich ordentlich ins Schwitzen geraten. Mit den Worten aus Hartmut Walz‘ aktuellem Newsletter: „Dass die Finanzlobby derzeit so massiv herumjammert, ist aus Verbrauchersicht ein untrüglich gutes Zeichen.“

Viele Menschen haben sich ein standardmäßiges Lamentieren über die mangelnde Gestaltungskraft der Politik angewöhnt. Das neue Altersvorsorgedepot zeigt, dass es auch anders geht. Und es beweist: Die Arbeit von Verbraucherschützern und Zivilgesellschaft zeigt Wirkung. Wenn Sie selbst dazu beitragen wollen, empfehlen wir Ihnen, sich weiter informiert zu halten. Die Blogs von Hartmut Walz und der Finanzwende sind geeignete Quellen. Und gerne unterstützen Sie auch – wie wir – die Finanzwende mit Ihrer Spende. Sie sehen: Es lohnt sich.

Alles Liebe
Nikolaus Braun

P.S.: Drei weitere Beiträge zur Finanzindustrie und warum die Honorarberatung das Gegenmodell zum konventionellen Produktverkauf ist:

28/03/2026

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