Toggle menu
Blog & Events abonnieren
Group 4Created with Sketch.
4 0
3 0
2 0
1 0
0

Crash-Propheten im Crash

von Stefan Heringer

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einem Jahr haben wir uns an dieser Stelle schon einmal mit der unsäglichen Zunft der Crash-Propheten beschäftigt. Neben drei Blog-Beiträgen (I, II, III) haben wir im Februar 2020 auch mehrere Abendveranstaltungen abgehalten. Und schon ein paar Wochen später legte Corona die ganze Welt lahm und schickte die Börsen auf die schnellste Korrektur in der Geschichte. Innerhalb von nicht einmal vier Wochen verloren die wichtigsten Indizes der Welt mehr als 30 %.

Ein Umfeld wie gemalt für Crash-Gurus. Grund genug, sich anzusehen, wie sich deren Vertreter im letzten Jahr schlugen. Man kann daraus extrem viel lernen, mit welchen Mechanismen diese „Branche“ funktioniert. Schauen wir uns dazu stellvertretend den wohl in Deutschland prominentesten Crash-Propheten „Mister Dax“ und seinen „Dirk Müller Premium Aktien“-Fonds an.

Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis großartig aus: Während der MSCI World in der Spitze etwa 35 % verlor, schaffte es Dirk Müller im selben Zeitraum mit seinem Fonds nicht nur, keinerlei Verluste zu generieren, er konnte sogar gut 3 % zulegen. Nachdem er bereits seit gut zehn Jahren vor einer heftigen Korrektur warnte, war es auch nicht weiter verwunderlich, dass er sein Portfolio entsprechend aufgestellt und abgesichert hatte. Nun lag er endlich richtig. Gratulation! Auch eine kaputte Uhr zeigt zweimal am Tag die richtige Zeit. Gut, die von Herrn Müller etwas seltener.

Genau in diesem Zeitraum erfolgten massive Mittelzuflüsse in Müllers Fonds – leider ein ganz typisches Muster. Ganze Scharen von Privatanlegern vertrauten ihm offensichtlich ihr Geld an, in der Hoffnung, dass er in dieser schweren Krise ihr Vermögen schützen würde. Das Volumen seines Fonds stieg von Mai 2019 von 170 Mio. Euro bis Mai 2020 auf 577 Mio. Euro ‒ also auf mehr als das Dreifache!

Leider folgten nicht nur die Mittelzuflüsse, sondern auch die weitere Wertentwicklung für seine Anleger dem immer gleichen Muster. Der MSCI World erholte sich zügig von dem heftigen Einbruch ‒ schneller, als es die meisten für möglich gehalten hätten – und hat das Jahr 2020 mit einem Ergebnis von gut +5 % beendet. Dirk Müller dagegen hat zwar im ersten Quartal nichts verloren. Er hat aber in der Folge nicht nur die dynamische Erholung komplett verpasst, sondern sogar die anfänglichen leichten Gewinne wieder verzockt. Am Ende hat er das Jahr mit rund -5 % abgeschlossen.

Was lernen wir daraus?

Für Dirk Müller war das Jahr 2020 überaus erfolgreich. Das Volumen seines Fonds ist explodiert. Und mit Gebühren von 1,64 % p.a., von denen der Löwenanteil mit Sicherheit an Müller geflossen ist, war das zumindest für diesen extrem lukrativ. Für seine Anleger gilt genau das Gegenteil. Vor allem für diejenigen, die mitten in der Korrektur oder kurz danach auf ihn vertraut haben. Sie haben zweimal verloren: erst beim Einbruch mit Corona und danach mit Müllers Premium Fonds.

Jetzt war das Jahr 2020 in jeder Hinsicht sehr ungewöhnlich. Lassen Sie uns deshalb einen Blick auf die längerfristigen Ergebnisse werfen.

Auch hier ein desaströses Ergebnis im Vergleich zu seiner selbst gesetzten Benchmark:

Wertentwicklung Fonds Dirk Müller vs. MSCI World
(Stand 19.01.2020).

Selbst auf einem Sparbuch wäre Ihr Geld besser aufgehoben gewesen. Zumal Herr Müller auch seit Januar dieses Jahres schon wieder 6 % hinter dem MSCI World liegt.

Wer bei diesen Zahlen immer noch meint, die Hybris von Dirk Müller sei gerechtfertigt, dem empfehlen wir folgendes Fundstück der Woche: 46 Sekunden zum Thema Wirecard - vom Allerfeinsten.

Dirk Müller arrogantes Statement zu Wirecard

Es bleibt dabei: Crash-Propheten haben für sich selbst ein veritables und überaus lukratives Geschäftsmodell. Ihr Vermögen verwalten sollten sie definitiv nicht.

Wenn Sie Gesprächsbedarf haben, schreiben Sie mir gerne 49@neunundvierzig.com.

Ihr
Stefan Heringer
Neunundvierzig Honorarberatung

PS: Sehen Sie dazu gerne auch: Helden für einen Tag. Mein Sozius Nikolaus Braun in der Süddeutschen Zeitung vom 19.08.2020. (Paywall)

30/01/2021

Vielen Dank! Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang auf die E-Mail mit den Bestätigungs-Link.
Vielen Dank, die Anmeldung am Newsletter ist erfolgreich abgeschlossen.