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Banking is necessary. Banks are not. (Bill Gates 1994)

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wage mal eine Prognose: Der Niedergang und die Transformation der Bankenbranche haben eben erst begonnen und werden sich im nächsten Jahr deutlich beschleunigen ‒ Zumindest, was das Geschäft mit privaten Kunden angeht.

Der massive Vertrauensverlust seit der Krise 2008 gestaltet es zunehmend schwieriger, einen schnellen Euro mit dem Provisionsgeschäft zu verdienen. Gelder, die in der Vergangenheit auf Giro- und Sparkonten satte Zinsmargen erwirtschafteten, führen in Zeiten von Negativzinsen zu Verlusten. Dazu kommt ein immenser Kostenaufwand, um die ständig steigenden Auflagen der Aufsichtsbehörden erfüllen zu können. In diesem an sich schon bedrohlichen Umfeld, trifft die Digitalisierung auf eine berüchtigt innovationsunfähige Branche.

Mit anderen Worten: Die Digitalisierung wird vermutlich nicht von innen dazu führen, Banken zu modernisieren, sondern sie von Außen überrollen. Was heute unter den Begriffen „Roboadvisor“ oder „Fintech“ hauptsächlich eine Diskussion in der Wirtschaftspresse ist, kann spätestens dann, wenn große Player wie Google, Apple oder Amazon digitale Vermögensverwaltungen anbieten, zur existenziellen Bedrohung werden.

Bisher reagiert die Bankenbranche darauf rein defensiv: Mitarbeiterabbau, Standortschließungen und Standardisierung des Angebots. Auch für Kunden, die der Bank siebenstellige Vermögenswerte anvertrauen, heißt dies, dass häufig wechselnde Ansprechpartner immer mehr Kunden in immer weniger Zeit betreuen müssen. Ein Erkennen individueller Lebenssituationen und, das Definieren dazu passender Strategien wird so unmöglich. Geschweige denn, dass langfristig entscheidende Fragen angegangen werden, wie etwa das Einbeziehen der nächsten Generation. Bestenfalls bekommt der Kunde eine irgendwie passable Retail-Lösung für die Vermögensverwaltung ‒, Beratung findet nicht mehr statt.

Dass dies kein dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell sein kann, ist offensichtlich. Die Abwärtsspirale wird sich weiterdrehen.

In Zukunft wird es vermutlich zwei Modelle geben, wie Geschäftsmodelle innerhalb der Finanzbranche überleben werden: Die erste beruht auf maximaler Digitalisierung des Kundenkontaktes durch intelligente standardisierte Massenlösungen und schiere Größe. Die Kooperation zwischen der DIBA und dem Roboadvisor Scalable weist zum Beispiel in diese Richtung.

Das zweite Modell werden kleine Einheiten sein, die für ein klar definiertes Publikum hoch qualitative langfristige Finanzstrategien verfolgen. Auch hier wird Digitalisierung eine Schlüsselrolle spielen - bei einer hochwertigen Auswertung von Daten und Risiken für die Planung. Der Kundenkontakt wird aber maximal analog verlaufen, also von Mensch zu Mensch. Die dafür nötige Zeit, können solche Einheiten wesentlich besser aufbringen, weil sie im Vergleich zu Banken minimale Fixkosten haben. Banken werden langfristig für dieses Geschäftsmodell nur noch eine Existenzberechtigung als Abwicklungsplattform haben.

Mit den Worten von Bill Gates:
Banking is necessary. Banks are not.

Liebe Grüße

Nikolaus Braun

Rückfragen, Kritik oder Anmerkungen schicken Sie gerne an 49@neunundvierzig.com

20/08/2018

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