4 0
3 0
2 0
1 0
0

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

von Stefan Heringer

Sehr geehrte Damen und Herren,

in diesen beunruhigenden Zeiten gibt es definitiv Wichtigeres als Fußball. Dazu kommt: Metaphern über die wichtigste Nebensache der Welt sind extrem überstrapaziert. Lassen Sie uns trotzdem eine wagen, denn es lässt sich sehr viel daraus ableiten.

Ein Torwart beim Elfmeterschießen muss sich entscheiden, ob er sich bewegt und ‒ wenn ja ‒ in welche Ecke er springt. Wie zu vielen anderen Themen gibt es auch darüber mittlerweile Studien. Das Ergebnis: Die Torleute springen je etwa zur Hälfte in die linke und in die rechte Ecke. Nur ein verschwindend geringer Teil bleibt in der Mitte stehen.

Aus Sicht der Schützen ist die Vorgehensweise statistisch ebenso eindeutig: Je etwa ein Drittel der Schüsse gehen nach links, nach rechts und in die Mitte. Ergebnis der Studie: Die mit Abstand höchste Wahrscheinlichkeit, einen Elfmeter zu halten, hätte ein Torwart, wenn er schlicht zunächst nichts tun würde und in der Mitte abwartet. Die Bälle in der Mitte kann er halten, und zusätzlich hätte er die Möglichkeit, die nicht zu platzierten Schüsse egal in welcher Ecke zu parieren.

Was hat das alles mit Investments zu tun? Mehr, als Sie glauben. Bei Einbrüchen an der Börse und entsprechenden Verlusten im Depot neigen wir dazu, zu handeln. Verluste erzeugen emotionalen Stress, und in solchen Situationen ist es tief in unseren Genen verwurzelt, zu agieren. Vor Tausenden von Jahren gab es für Menschen angesichts einer unmittelbaren Gefahr, etwa die Begegnung mit einem Raubtier, drei Optionen: Angriff, Flucht oder Nichtstun. Wer sich für Letzteres entschieden hat, ist aus dem Gen-Pool verschwunden, also keiner unserer Vorfahren.

In vielen Bereichen unseres Lebens ist Nichtstun keine Option. Wir haben gelernt, dass Fleiß sich auszahlt, harte Arbeit honoriert wird und der Tüchtige Erfolg hat.

An der Börse funktionieren diese Muster leider überhaupt nicht, im Gegenteil. Auch hierzu gibt es mehrere Studien, die alle zum selben Ergebnis kamen. Die bekannteste ist von Barber/Odean [2000]. Hier wurden Tausende Depots von Privatanlegern bei Discount-Brokern untersucht. Je häufiger der Kunde in seinem Depot Umschichtungen vorgenommen hat, umso schlechter war seine Rendite.

Dazu kommt der Druck von außen: Zurück zu unserem Torwart. Stellen Sie sich vor, er bliebe im Wissen über die Studie beim Elfmeter-Schießen einfach in der Mitte stehen und wartete ab. Spätestens nachdem der vierte Elfmeter links oder rechts in der Ecke einschlägt, wird er wahrscheinlich von seinen eigenen Fans ausgebuht, weil er nicht mal versucht, die Bälle zu halten. Sie merken: Nichtstun ist häufig keine Option oder zumindest extrem schwierig durchzuhalten. Dieses Verhaltensmuster nennt man Action Bias.

Obwohl also nachweislich Aktivität (oder besser Aktionismus) nicht zu besseren Ergebnissen führt, ist es unglaublich schwierig, diesem Drang nicht nachzugeben. Das Depot korrigiert, Sie lesen einen Börsenkommentar O-Ton „Rette sich, wer kann, es wird alles noch schlimmer“, in Ihrem Freundeskreis behaupten Schlaumeier schon lange vorher ausgestiegen zu sein, Ihr Partner wird nervös ob der Verluste im Portfolio, und Sie müssen standhaft bleiben.

Das erfordert starke Nerven, buddhistische Gelassenheit und eine tiefe Überzeugung in die eigene Strategie. Das Wichtigste bei einer strategischen, langfristig ausgerichteten Kapitalanlage ist Disziplin. In Zeiten von Corona mehr denn je. Denn Besonnenheit und Ruhe sind entscheidend für den langfristigen Erfolg. Uns ist bewusst, dass das gerade jetzt extrem schwierig ist. Ein unabhängiger Berater kann Ihnen gerade jetzt entscheidend weiterhelfen. Er kennt die beschriebenen psychologischen Mechanismen, schützt Sie davor und hilft Ihnen auf Kurs zu bleiben.

Haben Sie Gesprächsbedarf? Schreiben Sie mir gerne an 49@neunundvierzig.com und wir vereinbaren ein Gespräch über Zoom, Skype oder Telefon.

Und: Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich und Ihre Liebsten auf.

Ihr

Stefan Heringer

28/03/2020

Vielen Dank! Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang auf die E-Mail mit den Bestätigungs-Link.
Vielen Dank, die Anmeldung am Newsletter ist erfolgreich abgeschlossen.