von Stefan Heringer
Sehr geehrte Damen und Herren,
Finanzthemen sind oft etwas zwischen trocken und spaßbefreit. Deshalb möchte ich Ihnen zum 1. April mit einem Augenzwinkern ein kleines Wörterbuch für die Finanzbranche an die Hand geben.
Einige Übersetzungen in das, was wirklich gemeint ist – jenseits von Hochglanzbroschüren, Fachbegriffen und wohlklingenden Verkaufsargumenten. Denn oft gilt: Je komplizierter ein Begriff klingt, desto einfacher – und manchmal unbequemer – ist die Realität dahinter. Hier folgt unser Finanz-Bullshit-Bingo, teils mit einem leichten selbstironischen Blick auf unsere eigene Kommunikation.
Aktives Management und Alternative Investments
„Aktives Management“ = Mit ganz viel Nischen-Know-How schaffe ich es bestimmt, schlauer zu sein... oder auch nicht.
„Alpha“ = Das, was immer jemand anderes hatte.
„Alternative Investments“ = Alles, was nicht funktioniert, aber schick klingt.
„Attraktive Einstiegsgelegenheit“ = Die Kurse sind gefallen, Ihr Portfolio auch.
„Beratungsdokumentation“ = Schutzschild für die Bank mit Ihrer Unterschrift.
„Buy and Hold“ = Disziplin, die exakt bis zum ersten Crash hält.
„Cashquote“ = Maß für eigene Unsicherheit.
„Co-Investment“ = Investition in der Hoffnung, jemand anderes hat besser geprüft.
Diversifikation und Drawdown
„Diversifikation“ = Strategie, um gleichzeitig in allem falsch zu liegen.
„Drawdown“ = Moment, in dem man sich fragt, ob das Tagesgeld doch nicht so schlecht war.
„Einmaliger Sondereffekt“ = Kommt erstaunlich oft vor.
„Empfehlungsliste“ = Das, was gerade verkauft werden soll.
„Ganzheitliche Beratung“ (auch: „holistisch“) = Wir verkaufen Ihnen alles, was wir haben.
„Hedging“ = Teure Versicherung gegen etwas, das dann sowieso nicht passiert.
„Historische Performance“ = Argumentation, die immer stimmt – bis sie nicht mehr stimmt.
„Kundenzentriert“ = Klingt besser als „vertriebsorientiert“.
Market-Timing und Performance-Fee
„Marktkonsens“ = Alle irren sich gemeinsam.
„Market-Timing“ = Kunstform, die ausschließlich rückblickend beherrscht wird.
„Passives Investieren“ = Aktiver Kampf gegen den eigenen Aktionismus.
„Performance-Fee“ = Belohnung für Glück, unabhängig von Kompetenz.
„Produktinnovation“ = Altes Produkt mit neuem Namen und höherer Marge.
„Strukturierte Produkte“ (auch: „Zertifikate“) = Finanzinstrumente, die man nur kauft, wenn man den Prospekt bewusst nicht gelesen hat.
„Total Expense Ratio (TER)“ = Kleine Zahl mit großer Wirkung – realisiert man meist erst nach fünf Jahren.
„Transparenz“ = Das steht alles in den 62 Seiten langen AGBs.
„Turnaround-Kandidat“ = Es kann eigentlich nur noch besser werden.
„Value at Risk“ = Zahl, die beruhigt – bis sie überschritten wird.
„Zugang zu institutionellen Investments“ = Jetzt auch für Privatanleger verpackt – mit Aufschlag.
Viele Grüße
Stefan Heringer
P.S. Selbstverständlich setzen wir uns mit diesen Konzepten, die unser Bullshit-Bingo eher flapsig behandelt, auch ernsthaft auseinander. Zum Beispiel hier:
- Diversifikation ist in der Tat ein sehr zentrales Konzept, weshalb wir dazu eine vierteilige Reihe veröffentlicht haben. Gewinnen Sie einen Einblick in die Grundlagen der Diversifikation.
- Wir sind sehr überzeugt von einem konsequenten Ansatz in der Honorarberatung. Lesen Sie, warum wir Honorarberater als Personal Trainer für Ihre Finanzen verstehen.
- Manche Konzepte aus unserem Bullshit-Bingo sind tatsächlich fast immer problematisch für die Anleger. Zum Beispiel Market-Timing, Performance Fees oder aktives Management.
01/04/2026


