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Performance-Jagd

von Stefan Heringer

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Traum eines jeden Anlegers und gleichzeitig der Heilige Gral im Asset Management ist eine signifikante Überrendite gegenüber dem Markt. Das lässt sich nach gängigen Maßstäben auf zwei mögliche Weisen erreichen: mehr Rendite bei gleichem Risiko oder gleiche Rendite bei weniger.

Die Fondsindustrie befeuert diesen Wunsch mit geballten Marketingaktivitäten und Berichten von Fondsmanagern, die mit den Vorständen dieser Welt verkehren, Informationen aus erster Hand bekommen und die Entwicklung der Aktie XY dadurch vermeintlich besser prognostizieren können. Eine andere Variante ist der geniale Professor, der einen ebenso genialen Algorithmus erfunden habe. Die Medienlandschaft leistet ebenfalls ihren Beitrag dazu mit verschiedenen Ratings, Auszeichnungen und Hitlisten, damit der arme, ahnungslose Anleger auch weiß, welchem Manager er am besten sein Vermögen anvertraut. So entstehen Mythen von Top-Fonds, mit denen man nichts falsch machen kann, oder von Experten, die mehr wissen oder besser sind als alle anderen.

Was haben alle diese Strategien gemein? Sie werden irgendwann von der harten Realität eingeholt und können die Erfolge der Vergangenheit nicht dauerhaft weiterführen. Die entscheidende Frage lautet nämlich, ob die Ergebnisse auf Können oder auf Zufall beruhen. Mit anderen Worten: Sind die Erfolge nachhaltig erwartbar? Und hier ist die Statistik gnadenlos ‒ und vor allem eindeutig.

Hierzu eine schöne Studie aus den USA:

In dieser Studie wurde analysiert, welche US-Aktienfonds in einem Fünf-Jahres-Zeitraum die beste Performance erzielt haben. Im nächsten Schritt wurde dann beobachtet, wie die besten 25 % dieser Fonds in den nächsten fünf Jahren abschneiden würden. Wäre nicht zu erwarten gewesen, dass die besten Manager ihren Erfolg wiederholen und zumindest signifikant häufiger als der Rest wieder unter den Top 25 % auftauchen würden? Nein, im Gegenteil. Es waren im Durchschnitt gerade einmal 21 %! Also etwas weniger als bei einer rein zufälligen Verteilung. Gewinner und Verlierer wechseln sich also über unterschiedliche Zeiträume mit schöner Regelmäßigkeit ab. Es gibt schlicht keinerlei Evidenz dafür, dass eine Überrendite in einem bestimmten Zeitraum – egal, ob über ein, drei, fünf oder zehn Jahre ‒ irgendwie mit Erfolg in einem anderen Zeitraum korreliert. Mit den dazu mittlerweile verfassten wissenschaftlichen Studien könnte man buchstäblich Bibliotheken füllen. Würden Sie bei „Mensch ärgere Dich nicht“ jemanden, der Sie gerade geschlagen hat, dafür bezahlen, beim nächsten Mal für Sie zu würfeln?

Dieses Thema hat auch in der Corona-Krise nichts von seiner Aktualität verloren. Es wird allein schon aufgrund der schieren Masse an aktiven Fonds selbstverständlich einige geben, die Stand heute vergleichsweise moderate Verluste haben, zum Teil sogar Gewinne erzielt haben. Diese Fonds werden die aktuellen Hitlisten anführen und versuchen, mit massiven Marketingmaßnahmen ihre Erfolge anzupreisen, um für neue Anlegergelder zu werben. Das immer gleiche Spiel…

Machen Sie nicht den typischen Anlegerfehler und laufen den Top-Fonds der vergangenen Jahre hinterher. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie damit dauerhaft bessere Ergebnisse erzielen, ist verschwindend gering. Wir helfen Ihnen gerne dabei, den langfristigen rationalen Blick zu bewahren und nicht in diese Falle zu tappen.

Haben Sie Gesprächsbedarf? Schreiben Sie mir gerne an Neunundvierzig Honorarberatung: 49@neunundvierzig.com.

Ihr

Stefan Heringer

30/05/2020

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