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Warum es nicht gelingt, den Kapitalmarkt auszutricksen

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

beunruhigende Kapitalmärkte, wie wir sie zurzeit haben, verleiten viele Anleger zu einem gefährlichen Spiel: schlauer zu sein als alle anderen. Die Argumentation dahinter sieht ungefähr so aus: Corona wird eine heftige weltweite Rezession auslösen, Unternehmen werden weniger Gewinne machen und zum Teil pleitegehen, Banken geraten unter Druck. Es wird also sicher am Kapitalmarkt weiter bergab gehen. Jetzt also schnell Aktien verkaufen, bevor die Kurse noch weiter fallen, um dann später, wenn sich alles beruhigt hat, wieder billiger einzusteigen. Klingt clever ‒ ist es aber nicht.

Die Argumentation ist in mehrfacher Hinsicht irreführend.

Erstens: Dass wir in eine weltweite, vermutlich heftige Rezession schlittern, ist relativ wahrscheinlich. Doch damit kann man keinen Blumentopf gewinnen. Diese Überlegung ist im Moment allgemeiner Konsens, sie ist alles andere als ein Informationsvorsprung und insofern schon heute Teil der Preisbildung am Kapitalmarkt.

Zweitens: Die Idee, man könne wieder billiger investieren, wenn das Ärgste überstanden und zumindest Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, ist rührend naiv. Wenn das Ärgste überstanden ist, sind die Kurse natürlich längst wieder gestiegen. Wenn die ersten Anleger wieder Hoffnung schöpfen, explodieren die Kurse oftmals regelrecht. Die Anleger, die zu Beginn der Krise die Nerven verloren haben, gehören sicher nicht zu denjenigen, die als erste zugreifen.

Schauen wir uns dazu die heftigsten drei Kapitalmarktkrisen der vergangenen 50 Jahre einmal genauer an: den Ölschock 1973, das Platzen der Dotcom-Blase 2000 und die Finanzkrise 2008. Krisen, die ‒ gemessen am MSCI World ‒ mit Rückschlägen von über 40 % der Rationalität der Kapitalmarktanleger alles abverlangt haben.

Doch nach allen Krisen haben sich die Kapitalmärkte vom Tiefpunkt aus meist sehr dynamisch und in relativ kurzer Zeit wieder erholt. Das heißt nicht, dass nach ein paar Wochen oder auch nach einem Jahr alles vorbei gewesen wäre. Aber wer den ersten Monat oder gar das erste Jahr nach dem Tiefpunkt einer Krise verpasst hat, der ist nie auf eine ansprechende Rendite gekommen.

Anleger, die meinen, gerade jetzt besonders clever zu sein, sollten also innehalten und nachdenken: Es könnte sein, dass gerade genau das Gegenteil der Fall ist.

Über Ihre Meinung freue ich mich unter: 49@neunundvierzig.com. Und: Wenn Sie Freunde oder Bekannte haben, die sich gerade in einem Corona-Tunnel befinden, freue ich mich, wenn Sie diese E-Mail weiterleiten.

Bleiben Sie gesund und ein frohes Osterfest.

Ihr
Nikolaus Braun

11/04/2020

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