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Hat die Pandemie die Art verändert, wie wir über Geld nachdenken?

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielleicht kommt Ihnen die Frage zynisch vor. Wenn Sie Gastronom oder Einzelhändler sind oder von Kultur, Reise oder Tourismus leben und um Ihre Existenz kämpfen, stellen sich natürlich neue Fragen: Wie lange kann ich noch durchhalten? Ist es besser, abzusperren? Kann ich die Raten für mein Haus und das Studium meiner Kinder noch finanzieren?

Auch wenn Sie in der Pflege oder Intensivmedizin seit über einem Jahr unter hohen Infektionsrisiken am Limit arbeiten oder als niedergelassener Arzt für die Verwaltung und Organisation einer Impfung 20-mal so lange brauchen wie für die Impfung selbst: Ist es da nicht selbstverständlich, dass Sie sich Gedanken machen, was Ihre Arbeit wert ist?

Liebe Pfleger, Krankenschwestern, Intensivmediziner, liebe Gastronomen, Einzelhändler, liebe Schauspieler und Musikerinnen: Es tut mir leid, dass sich dieser Beitrag im Kern mit den finanziellen Sorgen von Menschen beschäftigt, die keine finanziellen Sorgen haben. Und trotzdem finde ich diese „Sorgen“ so spannend, dass ich Sie gerne mit Ihnen teilen möchte.

Denn die Pandemie hat zumindest bei einigen finanziell ausgesprochen erfolgreichen Menschen bewirkt, neu über Werte, Lebensprioritäten und damit auch über die Rolle von Geld in ihrem Leben nachzudenken. Meist sind diese Menschen relativ jung, 40 bis Mitte 50, und Corona hat diese Neuorientierung vermutlich nicht ausgelöst, sondern eine latent immer schon vorhandene Sehnsucht nach einem anderen Leben lediglich beschleunigt.

Grob vereinfacht sieht ihre Situation meist so aus: Ob als Unternehmer, Partner einer Großkanzlei, Unternehmensberater, Private-Equity-Investor oder Topmanager in einem Konzern: Diese Menschen haben durch Glück, richtige Entscheidungen und einen schnellen Verstand unter einem immensen Einsatz von Zeit ein erhebliches Vermögen erreicht. Zumindest genug, um den Rest ihres Lebens davon relativ angenehm leben zu können.

Durch Corona ins Homeoffice verbannt, steigt jetzt bei vielen dieser Stress noch einmal an: Eine Videokonferenz jagt die nächste, Kinder und Partner/-in platzen im Halbstundentakt ins Zimmer, während der informelle Austausch mit Kollegen oder Zwangspausen durch Geschäftsreisen wegfallen. Gleichzeitig werden diese Menschen ganz unmittelbar damit konfrontiert, dass es wohl auch ein Leben außerhalb der Arbeit gibt: O-Ton: „Da wohnen ja noch andere Menschen bei mir daheim.“ ‒ „In sieben Jahren sind meine Töchter aus dem Haus, dann ist es zu spät, umzusteuern.“ Auch für denjenigen, der keine Familie hat, ist die Situation nicht besser: Die Stille daheim kann genauso belastend sein wie die Nebenwirkungen des Homeschoolings. Zumal Ablenkungen wie luxuriös essen gehen, Reisen oder Feiern nicht möglich sind.

Vor dem Hintergrund stellen sich viele dieser Menschen fast zwangsläufig die Sinnfrage. Wieder O-Ton: „Ich habe unter einem teils irrwitzigen Einsatz Zeit sehr teuer in sehr viel Geld getauscht. Jetzt frage ich mich: Habe ich da nicht inzwischen einen Gutschein für ein anderes Leben?“ Im Prinzip ist das eine großartige Frage. Vielleicht die wichtigste Frage für jeden von uns im Umgang mit Geld: Was ist genug? Welchen Grenznutzen hat „noch mehr Geld“ gegenüber „noch mehr Zeit“? Die gute Nachricht: Anders als bei Momos grauen Herren liegt es an jedem Einzelnen von uns, gefrorene Zeit – also Geld – wieder aufzutauen. Wenn man nicht zu lange damit wartet.

Vielleicht ist der richtige Zeitpunkt eine Veränderung anzustoßen genau … jetzt.

Alles Liebe, Ihr

Nikolaus Braun

P. S.: Ich freue mich auf Rückmeldungen unter: 49@neunundvierzig.com

29/05/2021

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