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Leben im Schatten einer Zahl

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die beschließen, genug verdient zu haben, um in ihrem Leben andere Schwerpunkte zu setzen, stoße ich früher oder später immer wieder auf ein entscheidendes Thema. Ich nenne es die Fünf-Millionen-Euro-Frage. Sie ist die Schlüsselfrage, ob es meinem Gegenüber gelingt, von einem erfolgreichen Unternehmer oder Manager zu einem erfolgreichen Privatier zu werden – oder eben auch nicht. Schauen wir uns dazu näher an, woher Vermögen im Regelfall stammt.

Entgegen dem Unsinn, den eine unsägliche Finanzpresse gerne verbreitet, werden Menschen nicht am Kapitalmarkt reich. Im Gegenteil: Mit Spekulation werden sie im Regelfall eher (wieder) arm. Zwar können Konsumverzicht – vulgo Sparen – und der Zinseszinseffekt eine enorme Wirkung entfalten, nur das geht eben leider nur über sehr lange Zeiträume.

Wenn Sie also nicht im Lotto gewinnen, ist der einzig realistische Weg, signifikantes Vermögen zu generieren, unternehmerisches Handeln. Und Unternehmer zu sein, heißt, Risiken einzugehen, mitunter immense Risiken: Marktlücken identifizieren, auf Ideen setzen, die sich erst ex post als genial oder dann doch eher als suboptimal herausstellen und bei Fehlentwicklungen beherzt umzusteuern. (Siehe auch Blogbeitrag: Sind Unternehmer schlechte Kapitalanleger?)

Wenn das Ganze gutgeht, ist das Resultat oftmals eine Vermögensstruktur, in der der einzige relevante Vermögenswert, das (eigene) Unternehmen ist: eine Monokultur, die sich oft noch dadurch verstärkt, als Gewinnentnahmen dem Unternehmen häufig wieder als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung gestellt werden.

Auch wenn das Unternehmen verkauft wird, ändert sich die Situation meist nicht: Denn oftmals wird der Großteil des Kaufpreises nicht in bar, sondern in Aktien oder Unternehmensanteilen des Käufers beglichen. Die Lage hat sich damit noch einmal verschärft: eine (Aktien-)Monokultur in einem Unternehmen, auf das man selbst kaum noch Einfluss hat.

Dies trifft nicht nur (Ex-)Unternehmer: Auch Manager, die zu einem großen Teil in Aktienoptionen bezahlt werden, oder Private-Equity-Investoren nach einem erfolgreichen Börsengang befinden sich immer wieder in der gleichen Situation ‒ eine Situation, die meist noch dadurch an Brisanz gewinnt, als dass die erhaltenen Aktien erst nach gewissen Sperrfristen verkauft werden dürfen.

Und genau hier kommt die Fünf-Millionen-Euro-Frage ins Spiel: Schaffe ich es – sobald es möglich ist ‒, mich von dieser Monokultur zu verabschieden, oder nicht?

Wenn es Ihr Ziel ist, zeitlich, örtlich und finanziell unabhängig zu werden, dann sollten Sie in jedem Fall zumindest so viel Geld in langweiligen Anlagen „hinter die Brandmauer bringen“, dass Ihr Lebensstandard für den Rest Ihres Lebens sichergestellt ist.

Dennoch verhalten sich erstaunlich viele Menschen so, als sei es ihr Ziel, der reichste Mensch auf dem Friedhof zu werden. Zur Gier und einer gewissen Kontrollillusion kommt sicher auch ein auf dem sogenannten Besitztums-Effekt beruhendes Nicht-loslassen-Können. O-Ton: „Ich bin ja mit dem Wert fast schon verheiratet.“ (Liebe Grüße an die Frau Gemahlin) Das gefährdet nicht nur die finanzielle Zukunft der eigenen Familie, es verursacht auch immensen psychischen Druck. Ein Gesprächspartner hat dies mir gegenüber vor Kurzem ebenso poetisch wie treffend auf den Punkt gebracht: „Ich möchte kein Leben unter dem Schatten einer einzigen Zahl führen.“

Besser kann man die Fünf-Millionen-Euro-Frage nicht beantworten.

Haben Sie Gesprächsbedarf? Schreiben Sie mir gerne 49@neunundvierzig.com.

Ihr

Nikolaus Braun
Neunundvierzig Honorarberatung

16/01/2021

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