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Der Negativzins gefährdet Ihr Vermögen – was Sie jetzt tun müssen!

von Dr. Nikolaus Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn irgendein Thema hohe Klickraten bei Finanzthemen garantiert, dann sind es Negativzinsen. Kein Wunder, dass wir da auch aufspringen.

Denn Negativzinsen reduzieren Ihr Vermögen nicht nur jedes Jahr um meist -0,5 %. Sie verstoßen außerdem gegen unser Gerechtigkeitsempfinden, unser kulturelles Selbstverständnis als Deutsche, ja unseren DNA-Code: Sparen muss belohnt werden, das entspricht nicht nur – warum eigentlich? ‒ der wirtschaftlichen Vernunft. Es ist das, was wir, unsere Eltern und die Generationen vor uns mit der Muttermilch eingesaugt haben: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Wir alle stammen von Menschen ab, die Wintervorräte angelegt haben, also gespart haben. Die Menschen, die es nicht getan haben, sind aus dem Genpool verschwunden. Der gefühlte Anspruch auf Zinsen hat also einen fast metaphysischen Charakter.

Dabei sind die Auswirkungen von Negativzinsen auf Ihr Vermögen ‒ isoliert betrachtet – relativ harmlos. Ein Negativzins von -0,5 % macht aus 100.000,- € innerhalb von fünf Jahren 97.524,- €. Ein Verlust von fast 2.500,- €. Unschön, aber gemessen an den Auswirkungen durch die Inflation nicht wirklich tragisch. Schon 1,5 % Teuerungsrate hinterlassen einen Kaufkraftverlust von (zusätzlich) 7.278,- €. Eine für 2021 mit 2,9 % prognostizierte Inflation ‒ das ist eine wirklich schlechte Nachricht für Ihre finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten, der Negativzins ist es nicht.

Augenfällig wird das auch durch einen Blick in den Rückspiegel in die goldenen 1970er-Jahre, als es noch ordentlich Zinsen gab. Wer damals den Spitzensteuersatz von über 50 % zahlte, für den blieb auch damals schon von brutto 8 % Festgeldzinsen nach 6 % Inflation eine negative Realverzinsung von -2,0 %. (Näheres dazu hier im Blog Negativzinsen! von Stefan Heringer) Zum Glück für die schwachen Nerven der Sparer passierte das aber nur weitgehend unbemerkt und intransparent. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Gefährlich am Negativzins ist nicht der Negativzins selbst, sondern der fast hysterische Umgang von Sparern mit dem Negativzins. Der gefühlte Druck, da was tun zu müssen, führt zu jeder Menge Wunschdenken und Fehlentscheidungen. Da muss es doch was geben, das mir ohne Risiko wenigstens ein bisschen was bringt. (Näheres hierzu im Blog Nix Gwiss woas man net: Gefährliches Wunschdenken bei der Geldanlage von Nikolaus Braun)

Paradiesische Umstände für Pinocchiobanker, Versicherungstandler und Investmentpornografen, die den verunsicherten Kunden in ineffiziente und überteuerte Produkte treiben. Versicherungslösungen, Garantieprodukte, Hedgefonds und innovative Zertifikate: Der Absatz von jeder Menge investmenttechnischem Giftmüll, der längst aus dem Verkehr gezogen gehörte, feiert fröhliche Umstände. Und damit das Ganze flutscht, bekommt es von der Marketingabteilung noch einen schönen verniedlichenden Namen.

Negativzins hin oder her, vergessen Sie nicht, vor einer Investition drei grundlegende Regeln zu befolgen:

  1. Geld, was Sie die nächsten drei Jahre benötigen, gehört kategorisch nicht an den Kapitalmarkt. Wenn Sie dafür Negativzinsen zahlen müssen, dann ist das halt so.
  2. Ein Berater, der auf Provisionsbasis arbeitet, ist keiner. Er ist ein Verkäufer. Er vertritt nicht Ihre Interessen, sondern die der Finanzindustrie. Nie, respektive immer.
  3. Risiko und Rendite sind zwei Seiten einer Medaille. Wenn der risikolose Zins negativ ist, ist alles, was eine positive Verzinsung bringt, mit Risiken verbunden.

Solange das klar ist, ist es am Ende dann gar nicht so schlecht, wenn der Negativzins der nötige Tritt gegen das Schienbein ist, damit Anleger endlich anfangen, rational über den Kapitalmarkt nachzudenken.

Alles Liebe, Ihr

Nikolaus Braun

P. S.: Ich freue mich auf Rückmeldungen unter: 49@neunundvierzig.com

07/08/2021

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